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Bewohner erzählen

Mir gefällt diese Eigenständigkeit hier im Betreuten Wohnen.

LIESELOTTE MÜLLER, 78

Wir stehen vor Apartment 317 und klingeln bei Lieselotte Müller. Die agile 78-Jährige öffnet prompt und bittet uns in ihr helles Apartment hinein. Gemütlich hat sie sich eingerichtet. „Ich habe natürlich etliche Erinnerungsstücke mitgebracht. Aber die Möbel habe ich mir damals neu gekauft, meine große, dunkle Schrankwand von früher hätte hier gar nicht reingepasst.“ Damals, das war am 1. Juli 2016, als sie in die Residenz eingezogen ist.

Eine Veränderung musste her

Zuvor hatte Frau Müller in einer großen Maisonette-Wohnung gelebt, gemeinsam mit ihrem Mann. Als er 2011 verstarb, blieb sie zunächst in den eigenen vier Wänden, aber mit der Zeit wurde ihr die Wohnung einfach zu groß. Eine Veränderung musste also her. Eine Bekannte von ihr hatte gehört, dass es am Stadtrand von Leimen eine schöne Residenz geben soll, die Betreutes Wohnen anbietet. Frau Müller schaute sich das Haus genau an und vereinbarte ein Probewohnen. Schließlich will so ein Schritt wohl überlegt sein. Schon nach zwei Wochen war für sie klar: Hier bleibe ich! „Das Personal war sehr freundlich, die Wohnung hat mir gefallen, ebenso die Umgebung. Das passte alles und ich habe mir gar nichts anderes mehr angeschaut.“

Seitdem hat sich Lieselotte Müller bestens eingelebt und ist richtig froh mit ihrem 50 Quadratmeter-Apartment. „Ich habe hier alles, was ich brauche. Ein seniorengerechtes Bad, ein geräumiges Wohnzimmer, einen abgetrennten Schlafbereich und einen hübschen Balkon“, erklärt die gebürtige Sudetendeutsche, die 1946 als Kind nach Heidelberg kam. Die Küchenzeile nutzt sie, um sich abends hin und wieder mal eine Kleinigkeit zuzubereiten. „Ich bin froh, dass ich Frühstück und Mittagessen ganz bequem im Restaurant der Residenz einnehmen kann. Für mich alleine einzukaufen und zu kochen, das lohnt sich einfach nicht.“

Engagiert in der Residenz

Zu den persönlichen Erinnerungsstücken im Apartment gehören Fotos der Familie – sie hat einen Sohn und zwei erwachsene Enkelinnen – sowie Bilder, Bücher und ein altes Spinnrad. Das ist kein Zufall, denn Lieselotte Müller hat als gelernte Industriekauffrau lange Jahre bei dem Nähmaschinen-hersteller Pfaff in Karlsruhe gearbeitet. Zwar in der Verwaltung, „aber ich habe viele Nähkurse absolviert und mir bei den professionellen Näherinnen einiges abgeschaut.“ Das Faible für die Textiltechnik zeigt sich in vielen Patchwork-Stücken, die sie selbst entworfen und angefertigt hat. „Beim Patchwork muss man sehr genau arbeiten“, erklärt die Hobby-Schneiderin, die sich auch gut mit Lesen, Rätseln oder Mah-Jongg spielen beschäftigen kann. Letzteres sogar online mit dem Laptop, der in einer Ecke steht. Dann spielt sie gegen sich selbst oder gegen ihren Sohn, mit dem sie auch fleißig Mails austauscht. Aber Frau Müller ist beileibe keine Stubenhockerin. Sie nimmt an Veranstaltungen in der Residenz teil, besucht regelmäßig den Gottesdienst im Andachtsraum im 5. Stock und ist sogar Vorsitzende des Heimbeirates. Der trifft sich alle vier bis sechs Wochen und diskutiert, was verändert werden könnte. „Ich gebe das dann an die Residenzleitung weiter und unsere Anregungen, z.B. beim Speiseplan, werden dann auch häufig in die Tat umgesetzt“, zeigt sich die 78jährige zufrieden, dass die Arbeit des Beirats ernst genommen wird.

Außerhalb der Residenz trifft sich Lieselotte Müller gerne mit langjährigen Freundinnen von den St. Ilgener Hausfrauen und den Wanderfreunden vom Verein Liederkranz Rohrbach. Für persönliche Erledigungen nutzt sie den Shuttlebus, der einmal pro Woche kostenlos von der Residenz in die Innenstadt und zurück fährt. Dort hat sie gerade bunte Primeln erstanden, die nun in den Balkonkasten eingepflanzt werden wollen. „Mir gefällt diese Eigenständigkeit hier im Betreuten Wohnen: Ich kann mich zurückziehen, wenn ich das möchte, ich kann mich mit langjährigen Freunden zum Wandern treffen, mich aber genauso gut hier in die Gemeinschaft einbringen.“ Apropos Gemeinschaft. Auf den Nachbarbalkon tut sich was.
Auf geht`s ins benachbarte Apartment 318.

Ich habe mich direkt für diese Residenz entschieden.

EDDA HORN, 77

Die kreative Künstlerin

Manchmal gibt es schon kuriose Zufälle im Leben: Fast gleich alt, beide Sternzeichen Löwe, nahezu gleichzeitig in die Residenz eingezogen und dann auch noch in nebeneinander liegende Apartments – irgendwie sollte es wohl so sein, dass Lieselotte Müller und Edda Horn sich kennenlernen und anfreunden. Beim Plausch von Balkon zu Balkon lassen sie nochmals einen Ausflug Revue passieren, den sie kürzlich miteinander unternommen haben. Der Tag war zwar etwas verregnet, aber eine schöne Abwechslung war es dennoch. Die beiden Damen genießen noch ein paar Minuten den herrlichen Ausblick auf den so genannten „Kleinen Odenwald“, dann gehen wir in das Reich von Edda Horn.

Und betreten gleichsam eine Kunstgalerie mit ausdrucksstarken Bildern, unterschiedlich groß, allesamt wunderschön gerahmt und perfekt an der Wand inszeniert. Und das Beeindruckendste: Edda Horn hat sie alle selbst gemalt. „Ich war viele Jahre in einem Künstlerkreis unterwegs und habe dabei viel üben und Erfahrung sammeln können. Noch vor zehn Jahren hatte ich eine Ausstellung in meiner Heimatstadt Heidelberg, bei der ich rund 20 Bilder verkauft habe“, erzählt die 77jährige, die die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzt. Wie das? „Ich bin schon als junge Frau nach Zürich gegangen“, berichtet sie aus ihrer Lebensgeschichte. Dort hat sie eine kaufmännische Ausbildung gemacht und ihren späteren Mann kennengelernt. „Wir haben im Kanton Aargau viele Jahre lang eine Bosch-Filliale für Auto-Elektrik und Auto-Zubehör betrieben und zehn Mitarbeiter beschäftigt. Ich habe mich dabei um alles Kaufmännische gekümmert.“

Zurück nach Deutschland

Als sie dann ins Rentenalter kam, ist sie zurück nach Deutschland, nach Nußloch. Zum einen konnte sie dort mit ihrer Schweizer Rente finanziell sorgenfrei leben und zum anderen wohnte ihr Bruder mit seiner Frau in der Nähe. „In der 4-Zimmer-Wohnung war ein Raum quasi mein Atelier. Schließlich kann man Leinwand und Farben nicht jeden Tag immer wieder aus- und einpacken“, erklärt die passionierte Malerin mit dem herzlichen Lächeln. Nach einem Sturz und Oberschenkelhalsbruch änderte sich die Situation. Ihr Sohn bat sie nach ihrer Genesung inständig, ins Betreute Wohnen zu wechseln. Als Berufsoffizier in der Schweizer Armee im Range eines Oberst ist er viel in der Welt unterwegs und kann daher seine Mutter nur sporadisch besuchen. Weil ihr zusehends auch das längere Gehen schwer fiel, hat sie sich dann umgeschaut. „Und ich habe mich direkt für diese Residenz entschieden. Hier ist es nicht so groß und anonym, es gibt keine langen, dunklen Flure, alles ist hell und familiär. Wenn ich meine Tür öffne, ist das da draußen wie mein verlängertes Wohnzimmer.“ Ein weiterer Grund war, dass sie bei ihrem Einzug am 15. Juli 2016 nicht nur lieb gewonnene Möbelstücke, sondern auch ihre Golden Retriever-Hündin Cara in die Residenz mitbringen durfte. „An ihr habe ich sehr gehangen, leider ist sie mittlerweile verstorben“, trauert sie ihrem treuen Vierbeiner nach und man merkt ihr an, dass sie das mitnimmt. Mit Stimmungsschwankungen hat sie immer mal wieder zu kämpfen. Da ist es doch sehr von Vorteil, dass das erfahrene Residenzpersonal einen mal auffängt oder sie eben mit Lieselotte Müller jemand gefunden hat, mit der sie sich auf kurzem Wege austauschen kann.

Im Gegensatz zu ihrer Nachbarin nutzt Edda Horn das Restaurant der Residenz nur zum Frühstücken. Mittags lässt sie sich die Mahlzeiten meistens von einer örtlichen Metzgerei bringen. Und sie geht auch oft raus zum Essen. In das knapp zwei Kilometer entfernte Stadtzentrum fährt sie dann mit dem Shuttle-Bus der Residenz, dem Taxi oder bei gutem Wetter mit ihrem für den Straßenverkehr zugelassenen Elektromobil. „Das ist gar kein Problem, damit fühle ich mich sehr sicher und kann dadurch meine Besorgungen bei der Bank oder Post selbstständig erledigen“, zeigt sich die unerschrockene Seniorin froh über diese Fortbewegungsmöglichkeit. An den hausinternen Veranstaltungen nimmt die frühere Laienschauspielerin hin und wieder teil, sehr intensiv widmet sie sich aber ihrem Steckenpferd, dem Lesen von Biographien. Insbesondere interessiert sie sich für historische Persönlichkeiten aus dem regionalen Umfeld. So verfolgt Edda Horn derzeit die Spuren der früheren badischen Kurfürsten und sie hat sich dabei schon viel Wissen angeeignet. Wie gesagt: Die Region ist halt reich an Mythen, Legenden und Geschichte(n).

Ich fühle mich hier sicher und ausgeruht.

SONJA NEUMAIER, 88

Die zierliche Dame kommt mit ihrem Rollator freundlich lächelnd auf uns zu. Sie trägt eine dezente schwarze Hose und einen schicken, lilafarbenen Pulli mit einem farblich passenden, perfekt gebundenen Halstuch. Die wachen Augen schauen durch eine modische Brille. Das verrät Geschmack. „Ich bin gelernte Schneiderin und habe lange bei Kaufhof in Heidelberg gearbeitet “, erzählt sie von ihrem früheren Berufsleben. Und logischerweise hat sie auch die Vorhänge in ihrem 1,5-Zimmer-Apartment mit Balkon noch selbst genäht. Wobei dies schon ihr
zweites Zuhause in der Residenz ist. Doch der Reihe nach.

Vom Betreuten Wohnen in die Pflege

Im Dezember 2013, mit 82 Jahren, zog sie ins Betreute Wohnen ein. Ihr Ehemann, der als Lokführer gearbeitet hatte, war verstorben, die gemeinsame Wohnung für sie alleine zur Last geworden. Zumal auch die beiden Töchter längst ausgezogen waren. „Das überschaubare, 50 Quadratmeter große Apartment mit seniorengerechtem Bad, die Unterstützung beim Haushalt, die vielen Kontakte in der Residenz, das habe ich sehr genossen“, schaut die gebürtige Karlsruherin zurück. Und dass sie nicht mehr für sich allein kochen musste, sondern ganz bequem im hauseigenen Restaurant essen konnte. Sie beteiligte sich intensiv an den Freizeitangeboten, wirkte aktiv bei den Modeschauen in der Residenz mit. Na klar, die Schneiderin!

Aber leider machten sich zunehmend gesundheitliche Einschränkungen bemerkbar. Sie fühlte sich immer schwächer, aß und trank nicht mehr regelmäßig, das Atmen fiel ihr schwer. Irgendwann war sie auf ein Sauerstoffgerät angewiesen und musste immer mal wieder zur Behandlung ins Krankenhaus. Nach einer überstandenen Lungenentzündung war klar: Die
notwendige medizinische Fürsorge war im Betreuten Wohnen nicht gegeben, der Umzug in den Pflege-Bereich im Juni 2017 daher unumgänglich.

Kurze Wege

„Aber ich musste mich ja gar nicht groß umgewöhnen, ich bin einfach ins andere Gebäude gewechselt. Das mir vertraute Umfeld blieb, das war schon zu einer Art Familie geworden“, verdeutlicht Sonja Neumaier. Und der Umzug bekam ihr hervorragend. In Absprache mit dem behandelnden Arzt gaben ihr die examinierten Pfleger regelmäßig die erforderlichen Medikamente, kontrollierten fortlaufend ihre Vitalfunktionen und achteten darauf, dass sie immer genug aß und trank. Frau Neumaier stabilisierte sich und ihre innere Unruhe aus Sorge um ihren Gesundheitszustand ließ nach. Darüber freuten sich auch ihre beiden Töchter und die fünf Enkel, die sie reihum besuchen und mit denen sie gerne zum Essen zum Italiener geht. Das Sauerstoffgerät bleibt dann in der Residenz, das braucht sie nur noch nachts. „Ich bekomme im Pflege-Bereich wirklich viel Hilfe, auch beim Waschen und Duschen, das hatte mich zuvor sehr angestrengt. Jetzt fühle ich mich insgesamt viel ausgeruhter“, erzählt sie.

Stets umsorgt

Da klopft es an der Tür und Pfleger Kujtim steckt den Kopf rein. „Na, Frau Neumaier, alles klar?“, fragt er. Daumen hoch signalisiert die Seniorin und Kujtim schließt zufrieden die Tür. „Das ist schön, dass immer mal wieder jemand reinschaut und sich nach dem Befinden erkundigt. Wobei ich darauf nicht warten muss, bei akuten Beschwerden kann ich mich selbst bemerkbar machen.“ Und sie deutet auf den 24-Stunden-Notrufknopf, den sie an ihrem linken Handgelenk trägt. Das ausgelöste Signal geht direkt ins rund um die Uhr besetzte Bereitschaftszimmer mit sachkundigen Pflegefachkräften. „Den Knopf musste ich schon mal drücken, als ich mich gar nicht gut gefühlt habe“, berichtet sie. „Aber es kam so- fort jemand und hat sich um mich gekümmert. Ich fühle mich daher gut und sicher aufgehoben in der Residenz“, und die Lebensfreude zeigt sich auf dem Gesicht der 88-Jährigen. Zusätzlich konsultiert sie regelmäßig den Arzt. „Der kommt einmal pro Woche ins Haus und hält hier seine Sprechstunde ab, das ist sehr bequem.“

Man merkt Sonja Neumaier an, dass sie sich wohlfühlt. Mit ihrer Lebenssituation, in ihrem gemütlichen Pflegezimmer – wo ein Koffer mit Nähutensilien steht und viele Fotos ihrer Familie hängen. Und die gesellige Seniorin nimmt nach wie vor an vielen Veranstaltungen teil: am Super-Bingo, an Dalli-Dalli, an den Frauenabenden oder den Gymnastik-Einheiten. Jeden Morgen ist sie schon ab 5:30 Uhr auf den Beinen. „Sonst kriege ich ja die vielen Termine nicht unter einen Hut“, lächelt die Frühaufsteherin verschmitzt. Apropos Gymnastik. Da müssen wir hin, die Gymnastikstunde läuft gerade. Also rein in den Fahrstuhl und hoch in den fünften Stock. Einen Schaumstoffball der Ergotherapeutin zuwerfen und wieder fangen, Koordinationsübungen über Kopf, die Arme runterbeugen bis auf den Boden – für Sonja Neumaier kein Problem und das ist doch wunderbar.